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Der Abend atmet Winter


Vor den Fenstern liegt die Kälte wie ein stilles Versprechen, 
doch drinnen sammelt sich Wärme,
Stimme an Stimme, Herz an Herz.
Der Chor mit Band Hoffnungsschimmer feiert heute seine Winterfeier,
und schon der Name klingt wie ein leiser Akkord gegen die Dunkelheit.
Jacken werden abgelegt, Lachen bleibt hängen in der Luft,
und irgendwo stimmt jemand eine Melodie an,
die alle kennen, ohne sie benennen zu müssen.

Die Lichter glühen weich, als hätten sie gelernt, zuzuhören.
Instrumente ruhen für einen Moment,
doch sie erinnern sich an alles,
was sie getragen haben: an Probenabende,
an falsche Einsätze und richtige Augenblicke,
an das gemeinsame Atmen vor dem ersten Ton.
Draußen fällt vielleicht Schnee,
drinnen fällt Zeit – langsam, freundlich, fast unmerklich.

Im abgelaufenen Jahr hat der Verein fünfzig Jahre gezählt,
nicht in Zahlen, sondern in Stimmen.
Fünfzig Jahre Mut, weiterzusingen.
Fünfzig Jahre Zusammenkommen,
auch wenn das Leben dazwischenrief.
Ein halbes Jahrhundert aus Liedern, aus Pausen, aus Neubeginnen.
Alte Geschichten sitzen neben neuen Gesichtern,
und beide wissen: Sie gehören zusammen.

Heute ist kein Konzert, heute ist ein Innehalten.
Die Winterfeier ist ein warmer Punkt im Kalender,
ein Atemzug zwischen Gestern und Morgen.
Hoffnungsschimmer – das ist mehr als ein Name,
es ist das, was bleibt, wenn der letzte Ton verklungen ist:
das leise Wissen, dass man nicht allein singt.